Neue Dimension des Sehens Home / High-Tech / Basler Zeitung

Eine mit Lasern bearbeitete dünne Folie bringt Optiker ins Schwärmen. Zwischen zwei Brillengläsern biegt sie erstmals bisher unkorrigierbare Augenfehler gerade. iZon heisst die Technik und stammt aus Kalifornien.

Der Apparat scheint fast etwas klein geraten für die grossen Leistungen, die man ihm zutraut: nicht weniger als eine Revolution in der Augenoptik. Scharfe Bilder, grosse Tiefenschärfe, leuchtende Farben und keine Halos mehr um nächtliche Scheinwerfer. Ein Test an der Messmaschine ist der erste Schritt zu einer neuen Brille, die individuell auch auf all die kleineren Fehler eingeht, mit denen unser Auge behaftet ist. Unerreicht bisher.
 
Fast zärtlich schildert der Riehener Optiker Stefan Frei, wie das aus den Vereinigten Staaten importierte Gerät arbeitet. Ein «Z-View-Wellenfront-Aberrometer», das die Abweichungen misst, die Lichtstrahlen vielfach in unserem Auge erfahren. Stefan Frei hat als Erster in der Region und einer der Ersten in der Schweiz Anfang Jahr diesen Zugang zu einer neuen Technologie bekommen.

WENIGER ALS EINE MINUTE. Bei der Augenmessung sitzt man bequem auf der einen Seite, durch die Okulare ein rotes Licht fixierend. Fast unbemerkt durchforschen schadlose Laserstrahlen in weniger als einer Minute ein Auge und vermessen 11600 einzelne Punkte, während der Optiker auf der andern Seite das Programm steuert. Jede kleinste Veränderung der Brechung im dreidimensionalen Auge wird genau registriert. Am Ende wird der Befund in Werten und einer farbigen Darstellung der Abbildungsfehler ausgedruckt.
Die iZon-Technik kommt aus Kalifornien. Wenn eine Korrektur überhaupt sinnvoll ist, gehen die Messdaten drum immer noch nach San Diego. Dort wird - wieder von einem Laser - eine dünne Folie Punkt für Punkt nach der Vorlage so bearbeitet, dass sie auf alle Unebenheiten des Auges mit unterschiedlichen Brechungen eingeht und die kleinen Fehlsichtigkeiten korrigiert.
Am Schluss kommt die 0,5 Millimeter dicke Folie zwischen zwei dünne auf Standardkorrektur geschliffene Gläser für die neue Brille. Sie bringt «eine neue Dimension des Sehens», sagt Stefan Frei. Vor allem auch nachts werden entscheidende Verbesserungen erzielt. Halos um Lichter verschwinden, Fussgänger werden früher gesehen. Das kann Leben bewahren.

JEDES AUGE IST EIN EINZELSTÜCK. Ob weitsichtig, kurzsichtig, mit Buckeln und Dellen in der Hornhaut, jeder dieser eigentlich so phantastisch konstruierten Bildfänger hat seinen eigenen Charakter, seine Fehler und Stärken. Eine gewöhnliche Zusatzoptik auf der Nase oder als Kontaktlinse auf dem Auge führt bei Fehlsichtigkeit schon heute zu scharfem oder verbessertem Sehen. Aber in vielen Fällen sind nicht all die Unebenheiten, die einfallendes Licht ab- und umlenken, damit korrigiert. Dafür fehlte bisher die Möglichkeit, Brillengläser so herzustellen, dass sie an verschiedenen Orten das einfallende Licht unterschiedlich brechen, um die individuellen Hornhautverkrümmungen zu korrigieren.
Folien mit variablem Brechungsindex, wie sie bei iZon verwendet werden, sind zuerst von der amerikanischen Trex Enterprises Corp. für militärische Zwecke entwickelt worden. Erst der Ophtalmologe Andreas Dreher, der eine eigene Firma für Laserdiagnostik in Kalifornien gegründet und den ersten Augentomographen gebaut hatte, kam auf die Idee, einen solchen Punkt für Punkt in seiner Brechkraft veränderbaren Kunststoff für die Augenoptik zu verwenden.
Dafür gründete er die Firma Ophtonix in San Diego. Sie produziert für die Kunden weltweit die Gläser. Auch für jene in der Schweiz.

DIE PREISE. Der Preis für diese neue Dimension des Sehens beträgt 380 Franken pro Brillenglas. Ein nach dieser Technologie individualisiertes und zusätzlich von den störenden seitlichen Verzügen befreites Gleitsichtglas kostet 720 Franken. Die Krankenkasse beteiligt sich im üblichen Rahmen an den Kosten. Die Träger(innen) der inzwischen rund 160 in der Schweiz abgegebenen Brillen seien begeistert.
Erfinder Andreas Dreher war übrigens letzte Woche in der Schweiz, um mit den ausgesuchten Anwendern über die ersten Erfahrungen zu diskutieren. Die Schweiz ist denn auch das erste Land ausserhalb der USA, in dem die iZon-Technik angeboten wird. Der Grund für die Wahl sei der hervorragende Ausbildungsstand der Schweizer Optiker. Damit auch das mal gesagt und klar gesehen ist.

MARTIN HICKLIN BASLERZEITUNG 17.05.2006



© 2006 Augen-Optik Stefan Frei - Update: 16. Sep 2010